Was ist Logotherapie?

Logotherapie wird häufig mit Logopädie verwechselt. Die Logopädie ist die Sprachheilkunde und korrigiert Stimm- und Sprachstörungen, die Logotherapie und Existenzanalyse aber ist eine sinnzentrierte Form der Psychotherapie, die der Wiener Psychiater und Neurologe Viktor E. Frankl begründet hat.

Viktor E. Frankl (1905-1997) hat als deportierter Jude vier Konzentrationslager überlebt, darunter Auschwitz. Seine Familie wurde ermordet. Das Überleben unter existenzieller Bedrohung veranlasste ihn, ein Buch über diese Erfahrungen zu schreiben mit dem Titel: „…trotzdem Ja zum Leben sagen“. Selbst unter widrigsten Bedingungen in den Todeslagern der Nationalsozialisten machte Frankl Möglichkeiten aus, Sinn im Leben zu entdecken. So hatte er Männer erlebt, die anderen ihr letztes Stück Brot gaben und trösteten: „Und mögen es auch nur wenige gewesen sein – sie haben Beweiskraft dafür, dass man den Menschen im Konzentrationslager alles nehmen kann, nur nicht: die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen.“ (Viktor Frankl: …trotzdem ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, S. 108)

Leben wird nicht nur als etwas Gegebenes, sondern als Aufgabe verstanden. Wir haben Verantwortung für unser Leben, weil das eigentliche Menschsein geistiger Natur ist. Die Freiheit der inneren Einstellung behandelt die Logotherapie unter dem Begriff der Willensfreiheit. Wir allein bestimmen unsere Reaktion auf die Umstände. Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen. Leider entscheiden wir uns oftmals dafür, nicht die volle Verantwortung zu übernehmen oder lieber Denkmustern zu unterliegen, die uns zu Gefangenen unserer Gedanken machen. Wenn der Mensch seine Kräfte nicht aus der Sinnhaftigkeit seines Lebens bezieht oder mobilisiert durch konkrete Wahl und Verwirklichung der Werte, entstehen Sinnlosigkeitsgefühle, die Aktivität verschlingen. Dagegen kann (wieder)gefundener Lebenssinn dabei helfen, selbstwirksam zu werden und inneren Frieden zu finden.


„Ob er es will oder nicht, ob er es wahrhat oder nicht – der Mensch glaubt an einen Sinn, solange er atmet. Noch der Selbstmörder glaubt an einen Sinn, wenn auch nicht des Lebens, des Weiterlebens, so doch des Sterbens. Glaubte er wirklich an keinen Sinn mehr – er könnte eigentlich keinen Finger mehr rühren…“ (Viktor Frankl, ….?)


Die Zeitschrift GEO vom 27.09.2024 beschreibt die Logotherapie als Psychotherapieschule, „die auf den Sinn im Leben zentriert ist. Sie vertritt die These, dass selbst ein namenloser Schrecken wie jener der Lager in die Seele integriert werden kann, wenn er verstehbar wird, sich zu einer Sinnfigur und erzählbaren Geschichte rundet, statt nur als Trauma über den jeweiligen Menschen hereinzubrechen.“

Frankls Logotherapie und Existenzanalyse ist eine ganzheitliche Form der Psychotherapie. Die dem Menschen innewohnende Sehnsucht nach Sinn ist ein starker Motor für ein sinnerfülltes Leben. Der Verstand allein (die Suche nach Werten) macht noch nicht frei. Aussprechen und Bezeugung, Anerkennung des Leids sind spürbare Heilungsschritte. Erst wenn wir die Aufmerksamkeit vom Denken zum Körper lenken und uns um die zugrunde liegenden Emotionen kümmern, kann sich ein gesunder Ich-Raum aufbauen – ein Prozess, bei dem Ruhe und Klarheit aus dem Innersten aufsteigen: Der Zugang zum heilen Personkern ist eröffnet. Die bewusst gewordenen und integrierten inneren Werte können nun zum Ausdruck gebracht werden – mit neuem Schwung, Gelassenheit, Stärke und Vertrauen.

Im Beratungsprozess wird ein Reifungsprozess eingeleitet, der die problematischen Faktoren negativer Lebensbilanz ausfindig macht und personale Kompetenzen aktiviert und fördert. Eine Erweiterung und Vertiefung der Persönlichkeit ist Ziel der Beratung.

Hilfen dazu sind auch methodische Vorgehensweisen zur Steigerung der Sinnwahrnehmung, zum Beispiel:

  • Logotherapeutische Wertimaginationsübungen
  • Ressourcenaktivierung
  • Selbstdistanzierung
  • Einstellungsmodulationen
  • Dereflexion und Selbsttranszendenz
  • Biografiearbeit
  • Atemtechniken
  • Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen
  • Hypnotherapeutische und narrative Interventionen aus anderen psychotherapeutischen Schulen werden ergänzend eingesetzt

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